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EBL-Event: Hochspannung vom Süden in den Norden

Die Baselbieter Energieversorgerin EBL will ihre Vision einer umweltfreundlichen Stromzukunft „noch konsequenter“ verfolgen als bisher 

 

 

 

Die jüngste traditionelle Energie-Forumsveranstaltungen der EBL am Dienstag, 12. April 2011 in Liestal stand unter dem Motto „nachhaltige Stromproduktion der Zukunft – Hochspannung vom Süden in den Norden“. Der Anlass weckte über Erwarten grosses Interesse. Mit weit über 500 Besuchern drängten mehr Interessierte in den Saal, als es Sitzplätze zu verteilen gab. 
 
„Wie kann die Energieversorgung der nächsten Jahrzehnte für uns aussehen?“ Mit diesen Worten umriss Reinhold Tschopp, Verwaltungsratspräsident der EBL, das gesellschaftliche Umfeld für Energiedienstleister, das im Wesentlichen gekennzeichnet ist durch die anhaltende Kernkraftwerkskatastrophe in Japan. 
 
Für EBL Geschäftsleiter Urs Steiner bedeutet dies: „Wir werden unsere ‚Vision 2020’nach diesem Anlass energischer vorantreiben als in der Vergangenheit.“ Die ökologische Dimension der zukünftigen Stromversorgung verlangt es, dass Steiner im PR-Sinne unpopuläre Schritte ins Auge fasst, wie etwa durch höhere Strompreise eine ökologisch höherwertige Energieversorgung bereitzustellen. Dazu gibt es umweltpolitische Herausforderung zu meistern wie die Bewertung der ökologischen Gewässergüte. Dazu kommt es für die EBL im Laufentaler Zwingen, wo ein Kleinkraftwerk durch Einsprachen in dritter Runde blockiert ist und in direkte Konkurrenz zu Ansprüchen der Fischerei und des Umweltschutzes gesetzt wird. 
 
Noch mehr Energie für umweltfreundliche Energie
 
Nichtsdestotrotz bekräftigte Steiner: Die EBL bekennt sich zum Ziel, bis 2020 rund 30 Prozent ihres Energieabsatzes (Strom und Wärme) aus neuen erneuerbaren Energiequellen bereitzustellen. Darunter versteht man die Biomassenutzung, wie z.B. durch die Biopower-Biogasanlagen in Pratteln; Holzenergiegewinnung wie z.B. im „Meisterstück“ der EBL, dem Nahwärmeverbund in Saanen-Gstaad; durch Kleinwasserkraftwerke und Solarstrom; aber eben auch neuartige Pioniervorhaben wie der Errichtung eines thermischen Solarkraftwerks in Calasparra, bei Murcia, in Spanien. In punkto Kernenergienutzung plädierte Steiner für einen planbaren, geordneten Rückzug. Fakt ist, die EBL bezieht bis ins Jahr 2029 zu verhältnismässig günstigen Konditionen als Aktionärskunde der Alpiq einen Grossteil ihrer Elektroenergie aus den Alpiq-Atomkraftwerken, gab Steiner zu bedenken. Er verschwieg aber nicht, dass „die Bilder aus Japan betroffen und auch Angst machen“.
 
Nach Banken-Crash war Öko-Finanzierung „Herausforderung“
 
Für den Leiter Unternehmensentwicklung der EBL, Tobias Andrist, segelt unterdessen das Sonnenstrom-Projekt „Puerto Errado 2“, kurz PE2, „grob auf Kurs“. Andrist stellte dieses in eine Reihe mit bedeutenden unternehmenspolitischen Entscheiden der Firmengeschichte: der industriellen Beteiligung der EBL zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Atel (heute Alpiq) sowie der Ko-Finanzierung des Rheinkraftwerks Birsfelden in den 1950er Jahren, was für damalige Verhältnisse für die EBL enorme wirtschaftliche Risiken barg. Andrist zuversichtlich zu seiner gegenwärtigen Herausforderung: „60 Prozent des Solarfelds in Spanien sind errichtet und wir werden in weniger als 360 Tagen Strom erzeugen.“ Eine Hürde war, dass die Bankenfinanzierung von Energieanlagen wie PE2 nach dem Banken-Crash 2008 unerhört aufwändig geworden sei. Letztlich konnte sie nur durch die Bereitstellung einer Exportrisikogarantie durch den deutschen Staat („Hermes“-Exportrisikogarantie) gemeistert werden - dank dem deutschen Sitz des Kooperationspartners Novatec Solar in Karlsruhe.
 
Wüste für Strom anzapfen
 
Anschaulich schilderten in Liestal Thiemo Gropp, Direktor der in Hamburg niedergelassenen Desertec-Stiftung, sowie Andrew Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB, die Entwicklungen auf dem Gebiet der grossflächigen Solarenergienutzung und langen Stromübertragung. Für Gropp gilt es, dass „gesellschaftliche Antworten für die Energieversorgung von morgen diskutiert und gefunden“ werden. Die Desertec-Initiative greift ungefähr 20 bis 30 Jahre voraus und will die Wüsten des Maghrebs für die Solarstromerzeugung erschliessen und – dank, sozusagen, neuen Stromautobahnnetzen – auch für Westeuropa nutzbar machen. Derzeit arbeitet ein Industriekonsortium daran, erste Testanlagen voraussichtlich in Marokko zu realisieren. 
 
Der Stromtransport rückt ins Interesse 
 
Der ABB-Entwicklungsleiter Paice schilderte die Entwicklung auf dem Feld des Stromtransports. Neue Technologien ermöglichen hier die verlustfreie Übertragung über Tausende von Kilometern hinweg. Allerdings sind die Kosten noch hoch für diese zusätzliche Versorgungssicherheit. In der anschliessenden Diskussion, die vom Tagesschau-Moderator Georg Halter geführt wurde, mahnte als weiterer Gast des Energie-Forums, Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, es müsse engagierter für einen Anschluss an die europäische Stromzukunft gekämpft werden, „sonst werden wird von den neuen europäischen Stromleitungen umfahren“. Als Nicht-EU Land ohne Energieabkommen mit der Staatenunion laufe man derzeit Gefahr, inskünftig von der europäischen Energieplanung ausgeschlossen zu werden, sagte Steinmann. Er plädierte für eine engere europäische Energiekooperation im Sinne der Versorgungssicherheit. 
 
Überhaupt rückte das Thema Stromtransport in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses am Dienstagabend in Liestal. Aus dem Publikum wurden zahlreiche Fragen nach den technischen Kriterien für den Leitungsbau gestellt. Die Frage, wie der Strom aus geographisch für neue erneuerbare Energien (Sonne, Wind) prädestinierteren Gebieten als der Schweiz ins Baselbiet bewegt werden könne, bewegte die Gemüter. ABB-Forschungsleiter Andrew Paice konnte beruhigen: „Technisch ist das kein Problem mehr“  - eine Herausforderung ist vor allem, dass der Leitungsbau naturgemäss keine Freunde bei den von neuen Hochspannungsmasten betroffenen Menschen auslöst. Ökostrom aus dem Süden gegen die Bereitschaft neue Leitungen im Garten hinterm eigenen Haus zuzulassen – dazu wird noch viel Überzeugung nötig sein.
 

Event Report

Veranstaltung der EBL

zur nachhaltigen Stromproduktion der Zukunft

12. April 2010, 18 Uhr

Hotel Engel, Liestal

 

Referenten

U. Steiner, Geschäftsleiter EBL

Dr. T. Gropp, Director Desertec Foundation

Dr. A. Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB

T. Andrist, Leiter Unternehmensentwicklung EBL

 

Moderation

Georg Halter, SF Tagesschau

Im Gespräch ...

 

Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL

Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL

 

Dr. Thiemo Gropp, Direktor Desertec Foundation

Dr. Thiemo Gropp, Direktor Desertec Foundation

 

Dr. Andrew Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB

Dr. Andrew Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB

 

Tobias Andrist, Leiter Unternehmensentwicklung EBL

Tobias Andrist, Leiter Unternehmensentwicklung EBL

 

Dr. Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie

Dr. Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie

Präsentationsfolien online

 

Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL

Urs Steiner, Geschäftsleiter EBL

 

Dr. Thiemo Gropp, Direktor Desertec Foundation

Dr. Thiemo Gropp, Direktor Desertec Foundation

 

Dr. Andrew Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB

Dr. Andrew Paice, Abteilungsleiter Forschungszentrum ABB

 

Tobias Andrist, Leiter Unternehmensentwicklung EBL

Tobias Andrist, Leiter Unternehmensentwicklung EBL

Impressum

 

Konzept + Produktion
IEU AG, Liestal, www.ieu.ch

 

Interviews
Georg Halter, SF Tagesschau

 

Galerie

Bilder zum Anlass in der EBL-Galerie

 

Podium Live

Podiumsgespräch auf telebasel