Die Hitzewelle im Sommer 2026 macht den Handlungsbedarf zur Reduktion der Treibhausgasemissionen spürbar und rückt auch die klimagerechte Gestaltung unseres Lebensraums wieder in den Fokus. Doch wie lassen sich Netto-Null-Ziele bei Bauprojekten konkret umsetzen?
In Gesprächen mit institutionellen Bauträgerschaften zeigt sich in unserem Berufsalltag oft dasselbe Bild: Die Netto-Null-Ziele bezüglich Treibhausgasreduktion im Betrieb sind inzwischen klar, aber es fehlt an belastbaren gesamtheitlichen Entscheidungsgrundlagen für die Erstellung und Entsorgung von Gebäuden. Das national gesetzte Netto-Null Ziel ist jedoch nicht mit einem Wärmepumpen Heizungsersatz und PV auf dem Dach erledigt, weil ca. 70% der verursachten Emissionen von regelkonform gebauten Gebäuden in der Erstellung, beziehungsweise durch den Baumaterialverbrauch, entstehen. (Siehe Grafik)
Um in Zukunft Netto-Null gerechte Bauprojekte zu realisieren, müssen Sie als Besteller:in:
- Realistische, transparente Klimaziele für künftige Bauprojekte definieren
- Entscheidungsfindungen auf Basis von Kosten und CO₂-Wirkung ermöglichen
- Die Lebenszyklusbetrachtung in Ihren Prozessen operationalisieren
- Die Prinzipien des zirkulären Bauens beherrschen (Kreislaufwirtschaft)
- Den Transformationsprozess zur Bauwende intern verankern
Die grösste Hürde bei der Umsetzung der Klimaziele für Projektverantwortliche auf Bauherrenseite ist die Unsicherheit, die entsteht, wenn bewährte Vorgehensweisen und die gängigen Lösungen überdacht werden müssen und dabei der Rückhalt in der Organisation für diese Transformation fehlt. Eine klare Netto-Null Strategie für Bauprojekte gibt den Verantwortlichen Orientierung und reduziert im gleichen auch Transitionsrisiken in Zeiten des Klimawandels. Als Praxiserprobte Architekten haben wir am ecobau Leitfaden für Bauherrschaften mitgewirkt und mehrere institutionelle Bauträger:innen und Genossenschaften unterstützt, eine Lebenszyklusbetrachtung und CO₂-Zielwerte in Ihre Projektprozesse zu integrieren. Beispielsweise haben wir beim Projekt zukunft.bahnhof von Anfang an Netto-Null Ziele definiert und erproben im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramm NFP81 zur Baukultur unter welchen Bedingungen sehr ambitionierte Netto-Null Ziele bereits heute umgesetzt werden können.
Als Architekten und Bauherren unseres selbst umgebauten Architekturstudios in Zürich konnten wir beispielsweise die zirkulären Prinzipien kreativ umsetzen und dabei die Treibhausgasemissionen auf ein Minimum reduzieren. So wurde die Belichtung aus wiederverwendeten Leuchten konzipiert und wo nötig auf LED mit passender Lichtfarbe umgerüstet. Die Holzständerwände wurden aus Wiederverwendeten Cemspanplatten bzw. ReUse-Gläsern konstruiert und können zerstörungsfrei wieder rückgebaut werden. Diese und andere Beispiele von JOM Architekten zeigen, dass auch mit ambitionierten Kosten- und Netto-Null-Zielen eine ansprechende gestalterische Lösung gefunden werden kann. Basis dafür ist die unmissverständliche Bestellung mit messbaren Treibhausgaszielen für Erstellung und Betrieb.



