Kreislaufwirtschaft begeistert – doch zwischen gesellschaftlicher Zustimmung und praktischer Umsetzung klafft oft eine Lücke. Ein NRP Projekt im Baselbiet zeigt, wie ländliche Regionen diese schliessen und der Kreislaufwirtschaft neuen Schub verleihen können.
Kreislaufwirtschaft ist in aller Munde. Kaum ein politisches Programm, kaum eine Unternehmensstrategie, die nicht betont, wie wichtig das Schliessen von Stoffkreisläufen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft ist. Das Bewusstsein wächst, Initiativen wie Kunststoffrecycling oder der Einsatz rezyklierter Baumaterialien finden breite Unterstützung. Start-ups und Spin-offs bringen frische Ideen hervor, die zeigen, wie viel Innovationskraft in diesem Feld steckt.
Doch bei aller Euphorie wird oft übersehen, dass Kreislaufwirtschaft in der Schweiz kein neues Phänomen ist. Viele Unternehmen beschäftigen sich seit Jahrzehnten, teils seit über hundert Jahren, mit der Wiederverwertung von Materialien. Sie tun dies mit grosser Beharrlichkeit – und stossen dennoch immer wieder an Grenzen. Recyclinghöfe sind laut, verursachen Verkehr, Gerüche und Staub. Sie sind unverzichtbar, aber selten willkommen in der eigenen Nachbarschaft. Die Gesellschaft wünscht sich funktionierende Kreisläufe, aber bitte dort, wo man bequem mit dem Auto hinfahren kann. Was danach mit den abgegebenen Reststoffen geschieht, bleibt meist unsichtbar.
Auch die öffentliche Hand führt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verlangen immer mehr Gesetze und Normen eine getrennte Sammlung und Wiederverwertung. Andererseits erschweren raumplanerische Vorgaben, Grenzwerte oder unpassende Abnahmepreise genau jene Prozesse, die politisch gefordert werden. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit entsteht ein Spannungsfeld, das die Kreislaufwirtschaft bremst.
Genau hier setzt das vom Recyclingverband Nordwestschweiz initiierte und im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterstützte Projekt «Potenzial ländlicher Räume in der Kreislaufwirtschaft» an. Gemeinsam mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Amt für Umwelt und Energie Basel-Landschaft wurden in Experteninterviews und zwei grossen Workshops Chancen und Herausforderungen einer ländlichen Region ausgearbeitet. Im ersten Workshop diskutierten die Teilnehmenden Chancen, Herausforderungen und Handlungsfelder und entwickelten daraus Projektideen. Die Projektgruppe prüfte diese auf ihre regionale Bedeutung und Umsetzbarkeit.
Im zweiten Workshop wurden die ausgewählten Ideen vertieft und als Grundlage für mögliche Pilotmassnahmen konkretisiert. Der Schlussbericht beschreibt sechs Projektideen: zwei für Austausch und Vernetzung, zwei für die Nutzung von Biomasse sowie zwei zu Flächenbedarf und Rahmenbedingungen der Kreislaufwirtschaft. Eines dieser Folgeprojekte ist bereits in Umsetzung.
Die Erkenntnis ist klar: Ländliche Räume bieten nicht nur Platz, sondern auch Potenzial für innovative Kreislaufwirtschaft. Wenn bestehende Unternehmen, neue Initiativen und die öffentliche Hand gemeinsam handeln, kann die Kreislaufwirtschaft den Stellenwert erhalten, den sie verdient – und jene Erwartungen erfüllen, die Gesellschaft und Gesetzgeber an sie richten. Die vielen neuen Ideen, die derzeit entstehen, sind wichtig. Doch ebenso wichtig ist, dass die langjährigen Akteurinnen und Akteure der Kreislaufwirtschaft ihren Beitrag leisten können und dürfen. Erst dann entsteht ein Kreislauf, der wirklich geschlossen ist.



