Casinos in Deutschland: Spielbanken Liste, Alter & Zeiten

Wie immer spielt Sutalo am Bingo-Automaten, eine Art Lotto.

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Der Fiskus kassierte laut dem Jahresreport der Aufsichtsbehörden 2019 etwa 5,4 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben im erlaubten Glücksspielmarkt. An alkoholbezogenen Steuern seien es im selben Jahr nur rund 3,1 Milliarden Euro gewesen, sagt der Bremer Psychologe Tobias Hayer, der seit vielen Jahren zur Glücksspielsucht forscht. Er kritisiert wie viele andere, dass der neue Staatsvertrag vor allem die wirtschaftlichen Interessen der Anbieter berücksichtige und nicht die des Gemeinwohls. Zwar profitiere der Staat von den Steuereinnahmen, jedoch würden Spielanreize durch das neue Gesetz massiv erhöht. Die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot an einem Bingo-Automaten zu gewinnen, liegt bei eins zu 2,5 Millionen. Die Zahlen tippt er so, dass sie auf dem Bildschirm die Form eines Kreuzes ergeben. Es nimmt immer die gleichen Zahlen: 13, 14, 15 in der Horizontalen und 4, 14, 24, 34, 44, 54, 64, 74 in der Vertikalen. Als um 1.35 Uhr sein Automat plötzlich zu leuchten beginnt, spielt Sutalo gerade an einem anderen Gerät. Erst eine Minute später bemerkt er die Meldung auf dem Bildschirm: »Gratulation Jackpot gewonnen – 514 242,06 Euro.« Er trommelt mit den Fäusten auf den Hocker, schreit: »Jackpot! Es ist der Beginn eines Tages, der ihn reich, aber nicht glücklich machen wird. Etwa fünf Stunden später, frühmorgens in Zagreb, Kroatien. Die Familie Radosovic* steigt in ihren schwarzen 5er-BMW.

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Und er hat öfter gewonnen: mal 130 000 Euro, mal 48 000 Euro. An der Bar bestellt er Rotwein, mit den Angestellten ist er per Du. Im Raum vor ihm: einarmige Banditen, Pokermaschinen, sie heißen »Cash Express« oder »Money Heat« und blinken grellbunt wie die Fahrgeschäfte auf einem Volksfest. Die Spielbank Wiesbaden, eines der traditionsreichsten Casinos in Deutschland, hat zwei Gebäude: das Kurhaus mit klassizistischen Säulen vor dem Eingang und Roulettetischen drinnen, und das Automatenspielcasino nebenan; schwarzer Teppichboden, blaue Jalousien vor den Fenstern. Die Luft riecht süßlich, an die Decke sind goldene Sternzeichen gemalt. Sie haben Urlaub in der alten Heimat gemacht und wollen nun zurück nach Duisburg, wo sie seit 22 Jahren leben. Vorn sitzen Ante Radosovic, 56, der eine Import-Export-Firma betreibt, und seine Frau Marta, 54, hinten der 17-jährige Sohn Luka. Sie fahren den ganzen Samstag durch, mehr als 13 Stunden, etwa tausend Kilometer – bis am Abend auf der A3 kurz nach Frankfurt plötzlich zwei Lichtkegel vor ihnen auf der Überholspur auftauchen. Die Radosovics fahren 160 Stundenkilometer, das Auto, das ihnen entgegenschießt, auch. Ante Radosovic wird in seinem Wagen eingeklemmt und stirbt noch am Unfallort. Seine Frau Marta und sein Sohn Luka werden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Aus dem anderen Auto, einem silberfarbenen VW Touareg, klettert aus der Beifahrertür: Marco Sutalo, der Jackpot-Gewinner. Noch bevor die Polizei am Tatort eintrifft, verschwindet er in der Nacht. Helikopter mit Wärmebildkameras werden nach ihm suchen.

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Das soll durch die zwingende Registrierung über einen Nutzeraccount verhindert werden. Nur Personen über 18 Jahre dürfen ein Spielkonto erhalten. Der Altersnachweis wird über eine Identifizierung und Authentifizierung erbracht. Eine Glücksspielsucht oder problematisches Glücksspielverhalten haben einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge rund 430.000 Menschen in Deutschland. Expertinnen und Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher liegt. Weil sie davon ausgehen, dass Sutalo absichtlich auf der Autobahn gewendet hat, womöglich mit Suizidgedanken. In den Zeitungen wird er in den nächsten Tagen der »Geisterfahrer-Killer« genannt. August 2012, neun Monate nach dem Unfall. Marco Sutalo sitzt im Büro seines Anwalts und zündet sich die fünfte Zigarette in einer halben Stunde an. Unter seinen Augen zeichnen sich dunkelgraue Ringe ab. »Ich kann nachts nicht schlafen«, sagt er. Wenn er nachts nicht schlafen kann, geht er zum Kühlschrank. Und natürlich macht er sich Vorwürfe: »Was habe ich nur angerichtet?« Sutalo ist ein wuchtiger Mann, Handwerker, das sieht man an seinen kräftigen Händen. Die obersten drei Hemdknöpfe trägt er offen, um den Hals blitzt ein goldenes Kreuz. Geboren wurde er in Sinj, Kroatien, aber er spricht breites Frankfurterisch. »Isch hab mein Lebe lang geschafft«, sagt er, als er von sich erzählt. Aufgewachsen ist Marco Sutalo in Frankfurt-Fechenheim, einem Arbeiterviertel am östlichen Stadtrand. Seine Eltern waren von Kroatien nach Deutschland gezogen, als er vier Jahre alt war. Er besucht das Wirtschaftsgymnasium, wirft aber hin, als die Eltern sich scheiden lassen, und fängt als einfacher Hilfsarbeiter in einem Betrieb für Elektroinstallationen an. Die Arbeit liegt ihm, bald schon darf er Projekte leiten. Die Geschäfte laufen gut, er stemmt Millionenaufträge, zwischenzeitlich trägt er Verantwortung für 24 Angestellte.

Das Wichtigste in Kürze

Am Nachmittag erst musste er das Auto seines Sohnes verkaufen. Für den Audi A4 mit Motorschaden bekam er noch 2000 Euro. Am Abend bittet er seinen Sohn, ihn zum Casino zu fahren. Er fährt nicht selbst, er weiß, dass er Alkohol trinken wird. Sutalo, 48, war seit 2008 insgesamt 107 Mal hier, wird später im Polizeibericht stehen. Er arbeitet auf Bauvorhaben von Aldi, dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden und der Lufthansa. »Ich bin ein ungelernter Kerl, der sich hochgearbeitet hat«, sagt er, und für einen Moment spürt man den stolzen, selbstsicheren Mann, der er mal war. Das Geschäft ist dann irgendwann schwieriger geworden. Auftraggeber haben sich verkalkuliert oder ihre Rechnungen nicht bezahlt. Sutalo musste Insolvenz anmelden, hat danach zwar einen neuen Betrieb aufgebaut, doch die Zeiten blieben schwierig.

Wissenswertes über Auszahlungen

Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, ist deutlich höher: eins zu 15 000. Dass das eine irgendwie zum anderen führt, ist fast unvorstellbar. Als Marco Sutalo* am Freitag, dem 4. November 2011 gegen 20 Uhr die Spielbank Wiesbaden betritt, hat er 1000 Euro dabei, um sein Glück herauszufordern, das ihn in letzter Zeit scheinbar verlassen hat. Er ist Elektroinstallateur, seine Firma hat momentan kaum Aufträge, er kann seine Mitarbeiter nicht bezahlen. Zuletzt musste er einen Kredit über 40 000 Euro aufnehmen. Und dann wurde in einer Nacht alles anders. »Mit dem Jackpot war die Welt auf einmal in Ordnung«, sagt er. »So viele Endorphine kann man gar nicht haben. Wenn jemand gesagt hätte, flieg irgendwo hin, hätte ich angefangen zu flattern.« Er und sein Anwalt haben versucht zu rekonstruieren, was passiert ist in den 19 Stunden zwischen Jackpot-Gewinn und Autounfall.

Die Bedeutung des Lesens der Allgemeinen Geschäftsbedingungen

Zu den Risikogruppen gehören junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, insbesondere wenn sie einen Migrationshintergrund oder ein eher niedriges Einkommen haben. Mögliche Folgen sind soziale Isolation, Jobverlust, sehr oft Überschuldung, manchmal auch das Abrutschen in Beschaffungskriminalität oder sogar Suizidgedanken. Die Bundeszentrale warnt angesichts der Legalisierung von Onlinepoker und Co deshalb vor der Suchtgefahr und weist auf die bestehenden Präventionsprogramme hin, etwa auf Check dein Spiel, wo viele Informationen zu finden sind und Beratungen angeboten werden. Sie informiert auch auf der Website Spielen mit Verantwortung. Glücksspiel ist ein Milliardengeschäft – und zwar eines, von dem auch der Staat profitiert. Welche Menschen er getroffen hat – auf einer etwa 450 Kilometer langen Fahrt. Eine Stunde nach seinem Gewinn, so gegen halb drei Uhr nachts, verlässt Marco Sutalo die Spielbank in Wiesbaden mit einem Scheck über 400 000 Euro in der Tasche. 100 000 hat er in bar ausgezahlt bekommen, in 500-Euro-Scheinen. Den Rest des Jackpots, 14 242 Euro, lässt er als Trinkgeld für die Angestellten des Casinos da. Seine Frau und sein Sohn sind bei ihm, er hat sie nach dem Gewinn sofort angerufen. Und er will niemandem mehr etwas schuldig sein. Als Erstes fahren die drei zu Marco Sutalos Mutter nach Frankfurt. Sutalo fährt nicht selbst, er weiß, dass er getrunken hat, vielleicht weitertrinken wird. Sutalos Eltern hatten immer von einem Häuschen und einem Boot in Kroatien geträumt. Er muss jetzt nicht mehr auf ihn warten. Seiner Mutter schenkt er 10 000 Euro. Anschließend machen die Sutalos Halt an der »Trinkhalle«, wie er den Stehkiosk seiner Freundin Doris nennt; ein kleines Häuschen mit Klinkerfassade in Fechenheim, wo er groß geworden ist. Es gibt hier Zigaretten, Bier, aber auch Konservensuppen zu kaufen. An einer Wand hängt ein Schal mit der Aufschrift: »Scheiß OFC«, gemeint sind die Kickers Offenbach. Marco Sutalo kennt Doris seit fast 30 Jahren, war mit ihrem Mann in einer Klasse und ist Stammgast bei ihr. Sie trinken einen Kaffee und Marko begleicht die offenen Rechnungen seiner beiden engsten Mitarbeiter, die hier ganz in der Nähe wohnen. Insgesamt sind es mehr als 1800 Euro, die sich in den letzten Monaten angesammelt haben, auch weil Sutalo sie nicht ausbezahlen konnte. Als sie ihn fragt, woher er das Geld hat, grinst er nur. Erst mal heim nach Wiesbaden, wo sich seine Frau und sein Sohn ins Bett legen. Doch obwohl es mittlerweile acht Uhr morgens ist, kann Marco Sutalo an Schlaf noch nicht denken. Er steigt nun allein in seinen silberfarbenen VW Touareg ein und fährt 130 Kilometer bis nach Homburg an der französischen Grenze, zu einer Baustelle, wo er die beiden Mitarbeiter abholt, deren Rechnungen er am Morgen bei Doris beglichen hat. Zu einem sagt er: »Auf der Baustelle können mich alle am Arsch lecken.« Sie fahren zurück nach Frankfurt, an einer Tankstelle halten sie und kaufen Bier und Wodkafläschchen. Gegen Mittag tauchen sie bei Doris am Kiosk auf. Er selbst trinkt ihn am liebsten gemischt mit Red Bull. Dafür öffnet er eine Dose, trinkt einen Schluck ab und füllt mit einem Fläschchen Moskovskaya auf. Marco Sutalo will es jetzt noch einmal wissen. Was bei ihm manchmal das Gleiche ist, denn abschalten kann er am besten beim Glücksspiel. Er fährt zu einem Automatencasino in Bad Homburg, ganz in der Nähe, in Oberursel, wohnt ein Freund von ihm, dem er noch 5000 Euro schuldet, und den er später noch besuchen will.




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